Stimmen zu Rafael Gámez
Laudatio von Rolf Büttner zur Ausstellungseröffnung "Allegorien zwischen den Welten" in der Petrikirche 2026
Rafael Gámez Montenegro
Rafael Gamez Montenegro, der sich selbst Olaf nennt, wurde 1950 in der Provinzhauptstadt Esteli im Nordwesten Nicaraguas geboren. Sein Vater war Tischler und gemeinsam mit seinem Bruder Bajardo begann er in dessen Werkstatt damit, zu zeichnen. Nicht so sehr aus eigenem Interesse, vielmehr weil der Vater nach einer Beschäftigung für seine Jungs suchte, um wenigstens für ein gewisse Zeit einmal Ruhe zu haben.Doch Rafael entwickelte Talent und schon in der Schule sprach sich herum, dass er gut zeichnen könne. Die Lehrer ließen ihn Tafelbilder malen und in der 7. Klasse bekam er im Kunstunterricht den Auftrag, ein Gemälde von Velasquez zu kopieren. Was ihm offensichtlich gut gelang. So wurde seine Beziehung zur Kunst geprägt.
Rafael spürte etwas Besonderes in sich und wollte Priester werden. Die Kirche mit ihren Malereien inspirierte ihn und sicher wäre er dem vorgezeichneten Weg in der Kirchenhierarchie weiter gefolgt, wenn sich der Priester, sein großes Vorbild, nicht selbst durch moralisches Fehlverhalten entzaubert hätte.
Nach der Schule begann er ein Architekturstudium in der Hauptstadt Managua. Die Metropole wurde in den 1970er Jahren von Erdbeben stark in Mitleidenschaft gezogen und für Architekten gab es genug Arbeit. Das Stadtplanungsbüro machte schon bald Entwürfe für neue Stadtteile. Rafael bekam noch als Student die Aufgabe, diese Pläne zu visualisieren. Eine komplexe Tätigkeit aus Handwerk und Kreativität, die im Zeitalter von Computerprogrammen und Künstlicher Intelligenz, kaum noch nachzuvollziehen ist.
Seine Entwicklung wurde von den politischen Ereignissen überlagert, die seine künstlerische Entwicklung schließlich prägten. Er war 19 Jahre alt, als die Sandinisten über den Diktator Anastacio Somoza siegten. Doch die Anti-Sandinisten folgten schon bald danach. Die wechelvollen Ereignisse haben ihn geprägt und schließlich auch nach Deutschland geführt, wo er seit …. lebt.
Wir eröffnen heute seine Ausstellung, die er „Alegorien zwischen den Welten“ genannt hat.
Was sagt uns dieser Titel und wie können wir mit ihm die Bildwelt von Olaf erschließen?
Alegorien findet man in der Bildenden Kunst schon sehr früh. Sie sind eine Form der indirekten Aussage, bei der eine Sache als Zeichen für eine andere Sache eingesetzt wird. Sehr bekanntes Beispiel dafür ist die Figur der Justizia. Ihre Attribute Augenbinde, Waage und Schwert sind Allegorien der Gerichtsbarkeit.
Und worauf bezieht Olaf den Begriff „Welten“? Seine Boigrafie hat ihn das geteilt sein der Welt anders erfahren lassen als es für uns der Fall ist. Er zieht mehrere Grenzen und thematisiert zugleich den Übergang zwischen ihnen. Ein Motiv unterschiedlicher Welten, das mehrfach in seinen Bildern auftaucht, sind die Ahnen auf der einen Seite und unsere moderne Welt andererseits. Auch mit dem Blick auf andere Kulturen zeigt er uns verschiedene Welten. Olaf schaut den zahllosen Dramen ins Auge und kontrastiert sie mit den Attributen des Wohlstands.
Der Künstler präsentiert uns keine Retrospektive, dafür ist die Ausstellung bei weitem zu klein, aber Bilder, die in einem längeren Zeitraum entstanden. Auch seine Ausstellung 2015 stellte er unter eine Überschrift, die sein Nachdenken über unsere Existenz belegt. Sie hieß „Irdisches Manna“ und einige Bilder dieser Ausstellung befinden sich auch hier. Es ging und geht um Märke. Die Menschen darin wirken merkwürdig schemenhaft. Man denkt an Bewegungsunschärfen, die bei fotografischen Langzeitbelichtungen entstehen und Spuren schneller Bewegungen sind. Gleichzeitig wirken diese Linien wie Spinnweben, die ihr Opfer bewegungsunfähig machen. Dieser Widerspruch zwischen Rasanz und Lähmung erzeugt eine besondere Spannung und man spürt dass etwas nicht stimmt.
Es lassen sich weitere Welten identifizieren, denn Olaf legt sich stilistisch nicht fest und eröffnet damit gleich mehrere Bildräume, die bei ihm nebeneinander existieren und auch ineinander übergehen können.Da sind die Momentaufnahmen der uns umgebenden Natur. Olaf wählt dafür eher kleine Bildausschnitte und lässt sich von Stimmungen und Strukturen leiten. Hier ist er Wanderer, Flaneur und Beobachter mit Blick für Details und Harmonien. Diese Motive sind menschenleer, ganz so, als ob die Natur ihre Harmonie nur ohne Menschen entfalten könnte.Daneben die Szenen handelnder Figuren, die er oft aus mehreren Motiven zusammensetzt. Durch dieses Zusammenfügen von Elementen aus unterschiedlichen Kulturen und Zeiten erzeugt er die Spannung seiner Bildaussagen. Dabei erweist er sich auch als virtuoser Gestalter seiner Bildkompositionen.
Und nicht zu übersehen – seine Lust abstrakte Bilder zu schaffen. Im freien Spiel der Farben und Formen zeigt sich ganz unmittelbar Olafs Gespür für Bewegung, Kontraste, Gleichgewicht oder dessen Gegenteil. Die Dramatik seiner figürlichen Szenen trasformiert er hier in etwas Elementares.
Die Farbpalette seiner Bilder hat sich zugespitzt. Waren früher Ockertöne bestimmend, die dem
Lebensumfeld des Künstlers in jungen Jahren entstammen, dominieren heute Rot- und Blautöne im kräftigen Kontrast. Sind das die Farben aus unserer Technicolorwelt? Möglich ist auch dass sie für Feuer und Wasser stehen, von einem Künstler, der aus dem Land der Vulane und Seen kommt.
So ist seine Malerei immer auch ein Nachforschen, eine Suche nach Bedingungen und Gründen für die Erscheinungen seiner und unserer Existenz. Er lässt sich nicht zu extremen Positionen verführen und ist weder Apokalyptiker noch harmoniesüchtig. Sein Blick geht tief und bleibt wohlwollend. Olaf philosophiert in Bildern und weil er es nicht bei der Verarbeitung eigener Erfahrungen belässt, weil es ihm gelingt, allgemein gültige Aussagen zu treffen, besonders deshalb sind seine Bilder für uns so interessant.
Rolf Büttner
Auszug aus der Laudatio zur Ausstellung “Irdisches Manna”, 2015, Augustusburg
Von Rolf Büttner, Künstler, http://rolf-buettner.de/
Künstler ist einer, der was zu sagen hat und dafür das Ausdrucksmedium mit dem er spricht kultiviert. Das trifft in ganz besonderer Weise auf Rafael Gamez zu. ....
Seine Prägung aus dieser Zeit ist [Kampf gegen Diktator Somoza, Sandinistische Revolution, Contra-Krieg], so glaube ich, deutlich erkennbar. Jedenfalls wird beim Betrachten seiner Bilder klar: Er hat konkrete Gründe, seine Kunst herzustellen. Besonders für Rafael Gamez ist typisch, nicht unbedingt die Harmonie oder ein Gleichgewicht der Dinge zu suchen.
Er schaut den zahllosen Dramen ins Auge und findet eindringliche Bilder für sie.
Man kann mehrere Einflüsse erkennen, die er in seine Arbeit einlässt. Das entspricht auch seiner Biografie, die ihn von Nicaragua nach Deutschland geführt hat. Es ist einerseits so etwas wie die bildkünstlerische Sprache aus Nicaragua – wenn es die gibt.
Es ist nicht so leicht in Worte zu fassen, wie sich der Umgang mit Farben, Formen und Motiven von unserer hiesigen Bildsprache unterscheidet. Aber es ist spürbar in klaren, nicht zu filigrane Formen, Farben mit Kraft und Signalwirkung.
Ebenso erkennt man in mehreren Bildern den Balanceakt zwischen gegenständlicher und abstrakter Malerei. In diesem Grenzbereich eröffnet er den Raum für eigene Deutungen und lässt uns die scheinbar konkreten Bilder auch als Produkte unserer Gedankenwelt erkennen.
Dabei verlassen die Bilder beinahe den Boden der Realität – sie stehen am Übergang zum Reich des Surrealen. Das schafft Gamez mit der Kombination mehrerer Motive, mit starken Motivanschnitten und einer Malweise, die bewusst Schärfen und Unschärfen einsetzt. ....
Auszug aus der Laudatio zur Ausstellung „Puertas al interior – Türen ins Innere“, 2010, Bad Berka
von Diana Trojca M.A.; Kunsthistorikerin
„Puertas al interior- Türen ins Innere", so lautet der Titel der neuen Ausstellung hier im Coudrayhaus, - wir blicken in das Innere eines Künstlers, der in seiner Bildwelt Reales und Surreales zeigt, und, wir betreten eine neue oder vielleicht andere Welt, wenn wir uns in das Innere der Bildwelten versenken, Sonnensymbole, Berge, Wüsten oder andere Fragmente des Seins finden.....
Rafael Gamez ist uns dann ein Wegbereiter, der uns in seine Bildwelten lockt, er verführt uns, er leitet uns auf seine Farbwege, zu seinen Zeichen und Symbolen.
Rafael Gamez, auch Olaf genannt, ist ein Maler, der Sommerfarben und eigene Energien malt, die in den Galeriesaal dringen, sie, jene Arbeiten, scheinen seinen Lebensrhythmus, seine Kraft und Freude zu versprühen, denn es jazzt in den Raum.
Ein Temperament aus dem Süden, so denkt man.
Aber- er ist zwar ein Maler, der aus Südamerika stammt, aber schon mehr als 10 Jahre in Deutschland lebt und arbeitet, und er präsentiert hier in Bad Berka seine kraftvollen und expressiven, wie surrealen Bilder, die zwar etwas von seiner Heimat, den Mythen und seiner Geschichte erzählen, aber doch im „europäischen" Kontext zu betrachten sind.....
Der Künstler zeigt Einblicke in das Schaffen, das von Architektur und Tanz in gleicher Weise geprägt ist, denn der Künstler ist ja schließlich auch studierter Architekt. Etwas Gebautes oder Konstruiertes findet man dann und wann, aber, im Mittelpunkt hier steht der Farbrausch, das Zusammenspiel von Licht und Schatten, Bewegungen und Farbschwünge.
Und trotzdem, seine Bilder sind abstrakt und gegenständlich, leicht und schwer oder heiter, wenn er den Tanz darstellt, der leicht, luftig oder kraftvoll gemalt sein kann.






